Bezirk

Mit dem Turboexpress auf Testfahrt

November 25, 2019

Von Laura Schenk

In Wila fand am 28. September das 35-jährige Jubiläum der Jungschar Turbo statt. Mit dem «Turbo-Express» liessen wir die letzten fünf Sommerlager wiederaufleben und machten dabei eine spannende Entdeckung.
Um den Tourismus im Tösstal zu fördern, wurde ein neues Projekt lanciert. Und so lud die Jungschar an diesem Samstag sieben Personen zur Testfahrt mit dem Kulturzug «Turboexpress» ein.

Reisebericht eines fiktiven Mitreisenden:
Die Reiseleiterin und die Tourismusvertreterin standen vor dem malerischen Zug, als ich mit den ersten Gästen das Perron 35 betrat. Die Reisegruppe zeigte ein Querschnitt der Bevölkerung, die ehrwürdige Rosa von Dillingen, welche das nötige Kleingeld besass ein solches Projekt finanziell zu unterstützen, ein gestresster und überforderter Vater mit seiner pubertierenden Tochter Chanti, eine asiatische Touristin mit Reisstrohhut und ein ewiger ZHAW Studenten und Freitagsstreiker. Unverhofft traf vor der Abfahrt auch der letzte Gast, die Hochleistungspolisportlerin Penny ein. Die Türen schlossen sich und die charmante Stewardess begrüsste uns liebenswürdig.

Der erste Halt beim «Campingplatz Stutz» entpuppte sich als ein Livekonzert des weltbekannten Rapsoil-Rappers. Mit unglaublicher Leichtigkeit gelang es ihm, sein Publikum in eine mit Käse überbackene Welt mitzureissen. Doch leider fand das fröhliche Fest ein jähes Ende mit dem Auftauchen des Bünzlis vom Wohnwagen nebenan. Zum Glück reagierte der Sicherheitsbeauftragte rasch und kompetent. So sassen wir bald wohlbehütet wieder im Zug. Doch die vermeintliche Ruhe währte nicht lange. Nur allzu bald hielt der Lokführer den Zug prompt an. Natürlich stieg der Sicherheitsbeauftrage als Erster aus. Eine Sanduhr mit einem geheimnisvollen Zeichen stand auf dem Geleise. Aber nicht das war es, was mich am meisten verwunderte. Vor der Uhr sass ein langhaariger, naturnah gekleideter Herr, welcher die Sanduhr meditierend betrachtete. An eine Weiterfahrt war nicht zu denken, da es das Eisenbahngesetz nicht gestatte, warf der Student ein. Auch die Tourismusvertreterin fand in ihrem ansonsten allwissenden Buch nicht mehr als eine Wahrscheinlichkeit-Statistik. Wie überrascht waren wir nun, als die handyfixierte Chanti die Initiative ergriff und im Internet ein Tutorial zu diesem Thema fand. Der Sanduhreffekt, welcher entsteht, wenn jemand von langem Schlaf erwacht, war die Lösung. Kaum hatten wie diese Erkenntnis erlangt, kam Penny aus dem Zug spaziert. Sie war wohl gerade erwacht. In diesem Moment verschwand die Sanduhr auf unglaubliche Weise. Ratlos aber fasziniert stiegen wir in den Zug.
Der nächste Halt stellte sich als einen Besuch in der Kyburg raus. Der König Arthur, seine Königin und der Hofnarr hiessen uns herzlich willkommen auf der Kapplaburg. Sie seien nach ihrer Hochzeit in Wassen, hierher ins Tösstal gezogen. In Erinnerung an eine tolle Gruppe, welche ihnen durch einige Abenteuer geholfen hat, sangen sie ein wunderbares Lied. Leider war unser Zeitplan sehr streng und so rief uns die Reiseleitung zur Weiterfahrt auf. Im Zug herrschte grundsätzlich immer eine angenehme und freundschaftliche Stimmung. Der Kontrolleur Fredi und sein bester Freund, der Recyclingspezialist, unterhielten den Zug köstlich. So war es fast schade, als der nächste Halt ausgerufen wurde. Doch die Möglichkeit ein echtes Kurhotel zu besichtigen gibt es nicht jeden Tag. Das Kurhotel «änet em Ricken», spezialisiert auf gestresste Familienväter und ihren pubertierenden Töchter, war allerdings einen Besuch wert. Die Ärzte und Psychologen wirkten sehr fachkundig und erkannten unseren Problemfall in der Reisgruppe augenblicklich. Wir staunten nicht schlecht, als uns die Rezeptionistin ein Bild der Fünfsternfeier zeigte und begeistert von der tollen Gruppe erzählte, welche ihnen dazu verholfen hatte. Mein Jagdinteresse war unverzüglich geweckt. Zum Glück hatten wir durch das Bild nun einen Hinweis, dass die Gruppe sich in Turbenthal befindet. Augenblicklich machten wir uns auf den Weg, um noch mehr herauszufinden. Wir mussten nicht lange mit dem Zug weiterfahren, bis der Kirchturm von Turbenthal am Horizont erschien. Als wir ausstiegen, fielen uns einige Kinder in blauen Hemden auf, welche das gleiche Zeichen wie die Sanduhr trugen. Leise unter den strengen Anweisungen des Waldmenschen schlichen wir ihnen nach, bis wir in der EMK ankamen. Nachdem der Sicherheitsbeauftragte einen Blick ins Innere geworfen hatte, gab er Entwarnung. Durch eine weitere Googlesuche stellte Chanti fest, dass es sich hier um eine Jungschargruppe der Evangelisch-methodistischen Kirche handelte. So waren wir einen grossen Schritt näher am Geheimnis rund um diese Jungschar. Doch ich wusste noch lange nicht alles, was ich mir erhofft hatte. Also stöberten wir weiter um mehr Informationen zu finden. Zum Glück fand im Innern der Kirche gerade ein Input, in welchem es auch um diese Jungschar ging, statt. Die Tourismusvertreterin fand erstaunlicherweise in ihrem grossen Buch eine historische Untersuchung über die Entstehung der Jungschar. Nicht nur Chanti war hellbegeistert von der Jungschar und wollte dableiben. Auch ihr Vater schien erleichtert zu sein, sie los zu werden. In diesem ganzen Rummel und in der Freude über das gelöste Geheimnis, trat die Reiseleitung zum Rosi-Grosi. Das Finanzielle musste nun geregelt werden. Doch da wurde die ansonsten sehr vorwitzige alte Dame verlegen und gestand, dass ihr nun in den Sinn gekommen war, dass sie ihre Millionen bereits in den Kreiselbau investiert hatte.

So blieb uns nichts anderes übrig als in Turbenthal zu bleiben. Natürlich hatten wir uns die Fahrt etwas anders vorgestellt, doch wir hatten etwas gefunden, welches uns über jenen Verlust hinwegtröstete. Wir durften die Jungschar kennen lernen.